Industriepioniere
Gründerzeit an der Mulde: Porträts bedeutender Döbelner Unternehmerpersönlichkeiten
Döbeln im 19. und frühen 20. Jahrhundert – das war eine Stadt im radikalen Umbruch. Wo einst beschauliches Handwerk den Takt angab, ließen mutige Visionäre binnen weniger Jahrzehnte rauchende Schlote und moderne Fabrikhallen in den Himmel wachsen. Es war eine Ära des Aufbruchs, in der aus kleinen Werkstätten bekannte Marken wurden und Erfindergeist auf kaufmännisches Wagnis traf.
Die folgenden Porträts stellen zehn Persönlichkeiten vor, die weit mehr waren als nur Fabrikbesitzer. Sie waren Wegbereiter der Moderne, soziale Stifter und Motoren des städtischen Fortschritts. Ob glänzendes Silber, duftende Seife, präzise Maschinen oder edles Leder – ihr Wirken machte die Muldestadt zu einem pulsierenden Zentrum der sächsischen Wirtschaft.
Begleiten Sie uns auf einer Reise zu den Wurzeln des Döbelner Wohlstands und entdecken Sie die bewegten Lebensgeschichten hinter den großen Namen unserer Industriegeschichte:
Hermann Otto Schmidt (1847–1927): Pionier der Döbelner Seifentradition
Hermann Otto Schmidt entstammte einer traditionsreichen Pößnecker Seifensiederdynastie und legte 1876 mit der Übernahme einer kleinen Werkstatt am Niedermarkt den Grundstein für die industrielle Seifenproduktion in Döbeln. Trotz schwerer Schicksalsschläge – wie dem tragischen Tod seines ältesten Sohnes im Betrieb und einem verheerenden Hochwasser 1897 – baute er das Unternehmen mit Innovationsgeist und kaufmännischem Geschick konsequent aus.
Mit Erfolgsprodukten wie der „Döbelner Salmiak-Terpentin-Schmierseife“ und spektakulären Werbeaktionen, darunter ein lebensgroßes Seifen-Denkmal, führte er die Firma zu Ansehen. 1902 realisierte er den modernen Fabrikneubau in der Rößchengrundstraße und begleitete die Entwicklung des Werkes bis zu seinem Tod im Jahr 1927. Heute erinnern eine nach ihm benannte Straße und der „Seifenstiefel“ am Niedermarkt an das Lebenswerk des engagierten Unternehmers und Stadtverordneten.
Friedrich Oswald Greiner (1850–1928): Döbelns Wegbereiter der Chemieindustrie
Der gebürtige Mittweidaer Oswald Greiner kam 1874 als Dachdeckergeselle nach Döbeln und legte mit einem eigenen Handwerksbetrieb den Grundstein für eine beispiellose Karriere. Ein Großauftrag für die Döbelner Zuckerfabrik im Jahr 1883 diente ihm als finanzielles Sprungbrett, um 1888 das Wagnis vom Handwerk zur Industrie einzugehen: Er gründete die „Döbelner Chemische Fabrik Oswald Greiner“.
Greiner spezialisierte sich auf die Destillation von Steinkohlenteer und die industrielle Herstellung von Dachpappe. Unter seiner Leitung stieg das Unternehmen zum Branchenführer auf, das jährlich Millionen Kilogramm Rohteer verarbeitete. Neben seinem unternehmerischen Erfolg, der durch zahlreiche Patente und Auszeichnungen gekrönt wurde, prägte Greiner das Stadtbild als engagierter Stadtrat und Philanthrop. Sein Vermächtnis umfasste soziale Stiftungen und den Bau des „Greiner-Stegs“ (1913), einer 134 Meter langen Brücke für seine Arbeiter. Mit seinem Tod im Jahr 1928 endete das Leben eines Visionärs, der Döbeln über ein halbes Jahrhundert lang als bedeutenden Chemiestandort etablierte.
Robert Tümmler (1856–1917): Vom Graveur zum Marktführer
Robert Tümmler, der 1876 als Graveurgeselle nach Döbeln kam und dort nur zwei Jahre später eine eigene Werkstatt eröffnete, entwickelte sich rasch zum bedeutendsten Industriepionier der Stadt. Sein Aufstieg basierte auf der bahnbrechenden Vision, Möbelbeschläge serienmäßig aus Metall zu fertigen und damit traditionelle Werkstoffe wie Holz oder Horn zu ersetzen, wobei er maßgeblich vom Bauboom der Gründerzeit profitierte.
Der Erfolg des Unternehmens ruhte dabei auf zwei strategischen Säulen: Zum einen sicherte sich Tümmler eine technologische Unabhängigkeit, indem er 1898 den eigenen Maschinenbau „Wilhelm Tümmler“ gründete, um die auf dem Markt fehlenden hochpräzisen Stanz- und Prägeautomaten selbst zu entwickeln. Zum anderen setzte er auf ästhetische Exzellenz, indem er industrielles Tempo mit höchstem handwerklichem Anspruch verband und zur Veredelung seiner Designs sogar Vorlagen aus dem Pariser Louvre heranzog.
In den 1920er-Jahren expandierte das Werk unter der Leitung seines Sohnes Erhardt Tümmler zum führenden Zulieferer der aufstrebenden Automobilindustrie. Als Partner namhafter Marken wie Opel und Daimler-Benz setzten die Tümmler-Werke technische Meilensteine, darunter die Entwicklung des ersten verschließbaren Türgriffs im Jahr 1930.
Über den wirtschaftlichen Erfolg hinaus prägte Robert Tümmler Döbeln als großzügiger Mäzen; sein bedeutendstes Vermächtnis ist der 1910 gestiftete Parkfriedhof, der heute ein Teil des Niederfriedhofs ist. Die Geschichte der Industriellendynastie endete jedoch tragisch mit der Verstrickung in die NS-Rüstungswirtschaft und der Produktion von Panzerfäusten, was 1945 zur Enteignung und schließlich 1947 zum Tod Erhardt Tümmlers in sowjetischer Haft führte. Heute erinnert der Tümmler-Steg in Döbeln an das einflussreiche Wirken der Familie.
Johannes Grossfuss (1844–1915): Vom Eimerfabrikanten zum Industriepionier
Der gebürtige Ostpreuße Johannes Grossfuss legte 1869 mit der Gründung einer kleinen Metallwarenfabrik in Döbeln den Grundstein für eine außergewöhnliche Industriegeschichte. Zunächst spezialisierte er sich mit nur fünf Mitarbeitern auf die Fertigung von verzinkten Wassereimern, verlagerte das Unternehmen jedoch aufgrund des wachsenden Erfolgs bereits 1873 in ein weitläufiges Fabrikgelände am Hauptbahnhof. Mit großem kaufmännischem Geschick passte Grossfuss das Sortiment stetig dem Markt an und entwickelte den Betrieb zu einer bedeutenden Lackwarenfabrik für Haushaltsgeräte. Trotz Rückschlägen wie einem verheerenden Großbrand im Jahr 1910 etablierte er die Firma als festen Bestandteil der sächsischen Metallindustrie. Sein unternehmerischer Weitblick und seine intensive Reisetätigkeit schufen das Fundament für ein Imperium, das unter seinem Sohn Curt später durch technologische Innovationen wie das die Anwendung des Blechstanzverfahrens in der Maschinengewehrproduktion Weltruhm erlangen sollte.
Heinrich Wilhelm Schmidt (1836–1908): Handwerkerstolz und soziales Gewissen
Heinrich Wilhelm Schmidt legte 1864 mit der Eröffnung eines Klempnereigeschäfts am Döbelner Niedermarkt den Grundstein für eines der bedeutendsten Metallunternehmen der Stadt. Nach einer partnerschaftlichen Phase als Blechwarenfabrikant konzentrierte er sich ab 1880 auf den eigenständigen Ausbau seines Betriebs und errichtete in den 1890er-Jahren moderne Produktionsstätten zwischen Bahnhof- und Burgstraße. Schmidt spezialisierte sich zunächst auf die Fertigung von Anschlagteilen für Emaillegeschirr, bevor sein Unternehmen unter seinen Nachfolgern zum Aluminiumspezialisten aufstieg.
Trotz seines wirtschaftlichen Erfolgs blieb Schmidt bodenständig und verzichtete zeitlebens auf eine repräsentative Fabrikantenvilla, um stattdessen direkt über seinem Kontor zu wohnen. Sein Wirken war geprägt von einem tiefen sozialen Verantwortungsbewusstsein: Durch die Gründung zahlreicher Stiftungen unterstützte er sowohl die Döbelner Armen als auch seine eigenen Angestellten und Arbeiter nachhaltig. Als er 1908 verstarb, hinterließ er ein stabiles Unternehmen, das unter seinen Söhnen auf bis zu 400 Mitarbeiter anwuchs, bevor es in der Ära des Nationalsozialismus eine radikale Wandlung zum Rüstungsbetrieb für völkerrechtlich geächtete Waffensysteme vollzog.
Ernst Julius Müller (1821–1906)
Ernst Julius Müller (1821–1906): Der „Spritzen-Müller“ aus Döbeln
Mit der Gründung einer Gürtlerwerkstatt im Jahr 1849 legte Ernst Julius Müller den Grundstein für eine Döbelner Industriegeschichte von Weltrang. Zunächst auf kleine Metallwaren spezialisiert, erkannte Müller früh das Potenzial der Gelbgießerei und verlagerte den Schwerpunkt auf Armaturen und technische Geräte. Der entscheidende Durchbruch gelang mit der Spezialisierung auf die Feuerwehrtechnik: Unter dem Namen „Spritzen-Müller“ entwickelte sich sein Betrieb zur international renommierten Feuerlöschgerätefabrik.
Müllers Erfolg basierte auf handwerklicher Präzision und technischem Pioniergeist. Bereits 1879 sicherte er sich Patente für innovative Pumpensysteme. Seine Löschspritzen wurden bis nach Amerika, China und Russland exportierten. Trotz zahlreicher Staatspreise und goldener Medaillen blieb Müller ein bodenständiger Unternehmer, der die Fabrikation 1894 an seinen Sohn Otto Julius übergab. Er verstarb 1906 als einer der erfolgreichsten Industriepioniere Döbelns. Sein Vermächtnis – darunter die Konstruktion der ersten deutschen Benzin-Motorspritze im Jahr 1910 durch seine Nachfolger – machte die Muldestadt über Jahrzehnte zu einem wichtigen Zentrum für die Herstellung von Feuerlöschgeräten.
Richard Köberlin (1849–1928): Vom Prokuristen zum Besteck-Pionier
Der gebürtige Leipziger Richard Köberlin legte 1899 mit der Gründung seiner eigenen Silberwarenfabrik den Grundstein für Döbelns Ruf als sächsische Besteck-Hauptstadt. Sein Schritt in die Selbstständigkeit war ein Akt unternehmerischer Emanzipation: Nachdem er als langjähriger Prokurist maßgeblich zum Erfolg der Firma Gebr. Köberlin beigetragen hatte, wurde ihm bei der Nachfolgeregelung die Anerkennung verweigert. In einem spektakulären Affront gründete er daraufhin in unmittelbarer Nachbarschaft ein Konkurrenzunternehmen.
Köberlins Erfolg basierte auf exzellenter Handwerkskunst und einem feinen Gespür für Design. Innerhalb weniger Jahre vervielfachte er seine Belegschaft und schuf ein Portfolio von über 100 Besteckmustern in Massivsilber und versilberter Ausführung. Unter seiner Leitung entwickelte sich der Betrieb zu einer modernen Manufaktur, deren Erzeugnisse bis heute im Antikhandel für ihre Qualität geschätzt werden. Richard Köberlin prägte die deutsche Besteckindustrie nachhaltig und führte sein Unternehmen zu internationalem Renommee, bevor er 1928 verstarb. Heute ehrt die Stadt Döbeln sein Lebenswerk mit einer nach ihm benannten Straße im Gewerbegebiet Ost.
Franz Richter (1828–1924): Der König der Landmaschinen
Franz Richter war die treibende Kraft hinter einem der bedeutendsten Landmaschinenhersteller Deutschlands. Nachdem er 1870 als Partner in die Firma von Carl Grieben eingetreten war, übernahm er 1874 die alleinige Leitung und formte aus der einstigen Schmiede ein industrielles Imperium. Unter seiner Führung spezialisierte sich das Unternehmen konsequent auf innovative Agrartechnik wie Drill- und Sähmaschinen, die unter dem Namen „C. Grieben & Richter“ (später Franz Richter) weltweite Anerkennung fanden und bis nach Skandinavien und Russland exportiert wurden.
Richters Wirken war geprägt von technischem Weitblick und hartnäckiger Interessenpolitik. Als „Lobbyist der ersten Stunde“ setzte er nach jahrelangen Bemühungen den Bau des Güterbahnhofs Döbeln-Ost durch, was die Logistikkosten seiner Fabrik massiv senkte und das Wachstum auf zeitweise über 600 Mitarbeiter ermöglichte. Für seine Verdienste wurde der umtriebige Unternehmer, der auch Mitbegründer der Döbelner Straßenbahn war, zum Königlich Sächsischen Kommerzienrat ernannt und 1911 mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt Döbeln ausgezeichnet.
Trotz seines Status als strenger Patriarch bewies Richter soziales Verantwortungsbewusstsein durch die Gründung von Pensionskassen und Stiftungen für seine Belegschaft. Sein Tod im Jahr 1924 markierte das Ende einer Ära, in der sein Name als Synonym für sächsische Ingenieurskunst auf den Äckern Europas stand. Auch wenn sein Erbe nach 1945 durch Enteignung und Demontage fast völlig aus dem Stadtbild verschwand, bleibt Franz Richter als der Mann in Erinnerung, der Döbeln zum Zentrum der modernen Landtechnik machte.
Johannes Liebert (1895–1957) & Arthur Gürtler (1885–1949): Ingenieurskunst zwischen Tradition und Menschlichkeit
Die Chemnitzer Ingenieure Johannes Liebert und Arthur Gürtler gründeten 1919 die Werkzeugmaschinenfabrik Liebert & Gürtler, die über ein Jahrhundert lang das Gesicht der Döbelner Industrie prägte. Nach mühsamen Anfängen in Ebersbach und dem Umzug 1933 in die Döbelner Alexanderstraße spezialisierte sich das Unternehmen auf hochwertige Drehmaschinen. Ein technologischer Meilenstein war die Beteiligung an der Entwicklung der legendären VDF-Einheitsdrehbank im Jahr 1941, die den Betrieb zum unverzichtbaren Spezialisten im deutschen Maschinenbau machte.
Herausragend war die ethische Haltung der Gründer während der NS-Zeit: Johannes Liebert distanzierte sich von Rüstungsaufträgen und sicherte den im Werk eingesetzten Zwangsarbeitern eine vergleichsweise menschenwürdige Behandlung und Verpflegung zu – ein Verhalten, das ihm nach 1945 einen offiziellen Freispruch vom Vorwurf, er hätten den Nationalsozialismus gefördert, einbrachte. Trotz Demontage und politischem Druck in der DDR-Zeit hielten die Familien Liebert und Gürtler über Generationen am Standort fest. Ihr Innovationsgeist führte unter anderem zur ersten serienmäßigen Anwendung pneumatischer Steuerungssysteme im Werkzeugmaschinenbau. Auch wenn das Unternehmen später als RASOMA verstaatlicht wurde, blieb der Name Liebert & Gürtler bis zum Ende der Ära im Jahr 2026 ein Symbol für sächsische Ausdauer und technologische Exzellenz.
Franz Dyhrsen (1838–1907): Vom Wandergesellen zum Begründer der Döbelner Möbelindustrie
Der gebürtige Holsteiner Franz Dyhrsen legte im August 1866 mit einer kleinen Werkstatt in der Kirchgasse den Grundstein für die industrielle Holzverarbeitung in Döbeln. Nach seiner Ausbildung zum Holz- und Horndrechsler und Wanderjahren, die ihn über Berlin zurück an die Mulde führten, entwickelte er seinen Betrieb mit großem unternehmerischem Risiko zu einer bedeutenden Luxusmöbelfabrik. Ein entscheidender Meilenstein war der Bau der Fabrik in der Dresdner Straße im Jahr 1873, wo er unter Einsatz moderner Holzbearbeitungsmaschinen hochwertige Möbel für den weltweiten Export fertigte.
Dyhrsens Erfolg basierte auf handwerklicher Exzellenz und familiärem Zusammenhalt; so war seine Ehefrau Christiane jahrzehntelang als reisende Vertreterin für das Unternehmen tätig. Neben seinem geschäftlichen Wirken engagierte sich Dyhrsen über 13 Jahre als Stadtverordneter ehrenamtlich für das Gemeinwohl Döbelns. Sein Erbe prägte die Stadt über seinen Tod hinaus: Das Unternehmen wurde in der DDR-Zeit als VEB Jugendmöbel Döbeln zum Leitbetrieb für Kinder- und Jugendmöbel und sicherte durch den Export in den Westen wichtige Devisen.
Obwohl die 130-jährige Tradition 1996 durch einen tragischen Konkurs endete, bleiben die sanierten Fabrikgebäude in der Dresdner Straße als markantes Zeugnis seines Pioniergeistes im Döbelner Stadtbild erhalten.
August Julius (1827–1902) und Carl August Clemen (1857–1947): Döbelner Schokoladengeschichte
Die süße Tradition der Familie Clemen wurzelt in der abenteuerlichen Lebensreise von Johann Gottfried Clemen, der im 18. Jahrhundert als Plantagenbesitzer in Surinam zu großem Reichtum gelangte. Mit seinem Kapital eröffnete die Familie, die viele Generationen vom Tuchmacherhandwerk gelebt hatte, einen Kolonialwarenhandel und 1781 das traditionsreiche Geschäft am Obermarkt. Unter August Julius Clemen entwickelte sich der Betrieb ab 1880 zur spezialisierten Manufaktur, in der edle Schokoladen noch in Handarbeit in Kupferkesseln gesotten wurden. Sein Sohn Carl August Clemen erkannte schließlich das Potenzial der industriellen Fertigung und vollzog 1911 den Sprung zur Großproduktion. Auf dem Burgstadel errichtete er einen Fabrikkomplex, der mit modernsten Maschinen und innovativen Verfahren wie dem Conchieren zartschmelzende Milchschokolade für den Massenmarkt schuf. Trotz der Ernennung Carl August Clemens zum Ehrenbürger im Jahr 1919 endete die Ära des Familienunternehmens infolge der Weltwirtschaftskrise mit dem Konkurs 1934. Dennoch blieb der Name Clemen als Synonym für den Aufstieg Döbelns zu einem Zentrum der sächsischen Genussmittelindustrie unvergessen.
Daniel Wilhelm Beck (1797–1860): Wegbereiter des Döbelner Lederimperiums
Daniel Wilhelm Beck war der erste Unternehmer Döbelns, der den entscheidenden Schritt vom Handwerk zur industriellen Großfertigung vollzog. Mit der Gründung seiner Gerberei im Jahr 1820 legte er den Grundstein für ein Fabrikareal, das mit über 50 Gebäuden bald einen gesamten Stadtteil nördlich der Staupitzstraße dominierte. Becks technologischer Pioniergeist zeigte sich in der frühen Nutzung von Dampfmaschinen und der Integration verschiedenster Produktionszweige – von der Loh- und Weißgerberei bis hin zur eigenen Leim- und Pappenfabrik.
Sein Unternehmen, das zeitweise rund 260 Facharbeiter beschäftigte und Könige wie Friedrich August II. zu seinen Besuchern zählte, machte Döbeln zu einem der bedeutendsten Lederstandorte Deutschlands. Beck verstand es, traditionelles Wissen mit industrieller Effizienz zu verknüpfen, wodurch seine Erzeugnisse Weltruf erlangten. Nach seinem Tod im Jahr 1860 führten seine Söhne das Erbe fort und wandelten es in die „Sächsische Lederindustrie-Gesellschaft“ um, die 1870 als drittgrößte Lederfabrik Deutschlands galt. Obwohl das Imperium Ende des 19. Jahrhunderts den komplexen Anforderungen des Aktienmarktes erlag, bleibt Daniel Beck als der Mann in Erinnerung, der die handwerkliche Gerbertradition in das Industriezeitalter führte und damit die wirtschaftliche Blütezeit Döbelns maßgeblich einleitete.
© Michael Höhme, "Traditions- und Förderverein Lessing-Gymnasium Döbeln" e.V.
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Döbeln und seine Traditionsbetriebe
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Döbeln und seine Industriepioniere
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