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Mit Dampf zur Form: Die Döbelner Holzbiegerei Haupt & Ihrke

Werbeanzeige von 1910*

Die Firma ist in Kleinbauchlitz, in der heutigen Eisenbahnstraße, ansässig. Sie wirbt damit, dass sie sich in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs befindet. Die Maschinen werden anfangs mit Dampfkraft betrieben. Inhaber sind Wilhelm Goesecke, dann Haupt und Ihrke, 1914 nur noch A. Haupt.

Das Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, Holz unter Dampfdruck zu biegen. Aus dem geformten Holz fertigt man Räder, Bügel, Gabeldeichseln, Schlittenkufen, Rodelschlitten, Backtröge und gebogene Holzteile für den Automobilbau.

Die Holzbiegerei ist ein wichtiger Zulieferbetrieb für die Döbelner Möbelindustrie und die Wagenbauer bzw. später für den Automobilbau.

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Der Prozess des Holzbiegens in einer Holzbiegerei umfasst mehrere sorgfältig aufeinander abgestimmte Arbeitsschritte. Zunächst wird geeignetes Holz ausgewählt, meist mit geradem Faserverlauf, da sich dieses besonders gut biegen lässt. Das Holz wird dann auf die gewünschte Länge zugeschnitten und anschließend gedämpft oder gekocht. Durch die Einwirkung von Hitze und Feuchtigkeit werden die Holzfasern elastisch und formbar.

Im nächsten Schritt wird das erhitzte Holzstück schnell in eine Biegeform eingespannt. Oft kommen dabei Metallbänder zum Einsatz, die das Holz stabilisieren und verhindern, dass es reißt oder bricht. Das Holz wird nun in die gewünschte Form gebogen und in dieser fixiert.

Nachdem das Holz vollständig ausgekühlt und getrocknet ist, behält es seine neue Form bei. Abschließend wird das gebogene Werkstück weiterverarbeitet, zum Beispiel geschliffen oder zugeschnitten, bis es für die endgültige Verwendung bereit ist.

Briefkopf der Firma aus dem Jahr 1911: Wer damals am Hotel und Restaurant "Weiße Taube" von der Grimmaischen Straße in die Eisenbahnstraße einbog, fand die Holzbiegerei nach etwa 100 Metern auf der rechten Seite. Zu dieser Zeit verband noch eine Straßenbrücke über die Bahngleise die Eisenbahn- mit der Mastener Straße. Heute ist die Eisenbahnstraße eine Sackgasse - die Brücke wurde nach ihrem Abriss nicht wieder aufgebaut.

© Michael Höhme, "Traditions- und Förderverein Lessing-Gymnasium Döbeln" e.V.

Quellen:
Pressausschuss für das Heimatfest (Hg.): Aus der Heimat. Festschrift zum Heimatfest. Döbeln 20.-22. Juni 1914, S. 92
Stockmann, Gottfried: Die Stadt Döbeln als Standort der Industrie. Borna Leipzig 1928
Wolf, Matthias: Feuer in Kleinbauchlitz. In: Döbelner Anzeiger, 09/10.09.2000

Bildnachweis:
* Foto KI-gestützt restauriert
** Darstellung KI-generiert

Werbeanzeige 1910 - Schwender, Carl Clemens: Döbeln in Sachsen in Wort und Bild. Döbeln 1910
Alle Abbildungen/Fotos ohne Vermerk stammen aus der „Sammlung Döbeln“ von Michael Höhme.