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Historische Schnaps- und Likörfabrikation: Die Firma Gebr. Thieme

Die im Jahr 1878 von Hugo und Franz Thieme gegründete Firma Gebr. Thieme an der Oberbrücke besaß bereits früh modernste Einrichtungen zur Herstellung verschiedener Branntweine und Liköre – eine Handwerkskunst, die bis heute auf der geschmacklichen Veredelung von Alkohol basiert. Mit ihren feinen Spirituosen bediente die Schnaps-Fabrik damals erfolgreich Kunden, besonders im Erzgebirge und in der Sächsischen Schweiz.

Historische Stadtansicht an der Oberbrücke (um 1910): Der Blick über die Brücke zeigt am rechten Bildrand das markante Eckgebäude der „Gebr. Thieme Likör-Fabrik“. Wo zur Jahrhundertwende noch hochprozentige Spirituosen produziert und verkauft wurden, befindet sich im heutigen Stadtbild die Apotheke an der Oberbrücke.

Der traditionelle Herstellungsprozess, der auch in solchen historischen Manufakturen angewendet wurde, beginnt stets mit der Geschmacksextraktion: Um die Aromen aus Rohstoffen wie Früchten, Kräutern oder Gewürzen zu gewinnen, werden die Zutaten bei der klassischen Mazeration (Kaltauszug) für mehrere Tage oder Wochen in hochprozentigen Alkohol eingelegt. Wird dieser Vorgang durch Wärme beschleunigt, spricht man von Digestion.

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Hat der Alkohol den gewünschten Geschmack angenommen, folgt das Abseihen, bei dem die festen Bestandteile herausgefiltert werden, sodass ein klares, aromatisches Konzentrat zurückbleibt. Da ein Likör per Definition einen hohen Zuckergehalt aufweisen muss, wird dieser Ansatz im nächsten Schritt mit Zucker oder Sirup gesüßt und gleichzeitig durch die Zugabe von Wasser auf die gewünschte Trinkstärke herabgesetzt. Vor der endgültigen Abfüllung in Flaschen benötigt der Likör schließlich noch etwas Ruhezeit, in der die Komponenten harmonisieren und das Getränk jenen runden, weichen Geschmack entfaltet, der schon die Kunden der Firma Gebr. Thieme zu schätzen wussten.

Zeitgenössische Inserate der Fabrik feinster Edelliköre – Gebrüder Thieme: Die linke Anzeige (1910) gibt detaillierten Aufschluss über das frühe Sortiment von "Grog-Essenzen" bis "Himbeersyrup", während die rechte Grafik (1925) stolz die errungenen sächsischen Goldmedaillen präsentiert.*

© Michael Höhme, "Traditions- und Förderverein Lessing-Gymnasium Döbeln" e.V.

Quellen:
Pressausschuss für das Heimatfest (Hg.): Aus der Heimat. Festschrift zum Heimatfest. Döbeln 20.-22. Juni 1914

Bildnachweis:
* Foto KI-gestützt restauriert
** Darstellung KI-generiert


Alle Abbildungen/Fotos ohne Vermerk stammen aus der „Sammlung Döbeln“ von Michael Höhme.