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Glänzende Aussichten: Die wechselvolle Geschichte der Metallveredlung Döbeln

Erste Anfänge: Arnd Gennrich übernimmt die Firma Schräber & Greifenhagen

Die Metallveredlung Döbeln GmbH blickt auf eine lange und traditionsreiche Unternehmensgeschichte zurück, deren Wurzeln bis in das Jahr 1938 reichen. In diesem Jahr erwarb Arnd Gennrich die Firma Schräber & Greifenhagen mit Sitz in der Döbelner Weststraße 3. Das Unternehmen stellte Schreibtischgarnituren her, die galvanisch vernickelt wurden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg überlebte das Stanz- und Galvanisierungsunternehmen vor allem dank zahlreicher Aufträge von Privatkunden, die Auto- und Motorradteile sowie verschiedene Haushaltsgegenstände aufarbeiten ließen. In dieser Zeit erweiterte der Betrieb seine Galvanik um die Bereiche Messing, Zink, Nickel-Chrom und Hartchrom. Zusätzlich wurde eine Schleiferei eingerichtet.

Das alte Standort im Döbelner Westen ist noch heute im Besitz der Metallveredlungs GmbH.

Staatsanteile und Zentralisierung: Der Weg zum VEB

Seit dem 9. Mai 1958 arbeitete das Unternehmen mit einem staatlichen Anteil von 21 Prozent. Mit der vollständigen Verstaatlichung 1972 änderte sich das Anforderungsprofil grundlegend. Im Rahmen der staatlichen Spezialisierung innerhalb des Industrieverbands wurde dem Betrieb die verantwortungsvolle Aufgabe übertragen, die medizinische Sparte zu beliefern. Fortan verlagerte sich der Fokus von dekorativen Alltagsgegenständen hin zu hochpräziser Medizintechnik. Unter dem Namen VEB Metallveredlung Döbeln übernahm man nun zunehmend die galvanische Verarbeitung zahnärztlicher Instrumente, das Hartverchromen von Kronen, Brücken und Inlays sowie das Schleifen von Zahnbohrern. Trotz begrenzter Möglichkeiten wurden Investitionen vorgenommen, um die Kapazitäten zu erweitern. So entstand eine Abwasseranlage auf der Basis des Ionenaustauschs, die durch Kreislaufführung eine effektive Nutzung des Wassers ermöglichte. Zudem wurde eine halbautomatische Anlage zur Verzinkung von Möbelbeschlägen angeschafft.

Im Jahr 1983 gliederte man den Betrieb an den VEB Galvano Dresden an. Bereits ein Jahr später erfolgte eine erneute organisatorische Veränderung: Das Unternehmen mit seinen 70 Mitarbeitern wurde dem VEB Metallwaren Naumburg unterstellt und firmierte nun als VEB MEWA Naumburg, Betriebsteil 6. Auch diese Struktur bestand nicht lange. 1986 wurden die drei Döbelner MEWA-Betriebsteile – Möbelbeschläge Döbeln, Plastwerkzeuge Döbeln und Metallveredlung Döbeln – zum VEB MEWA Naumburg, Betriebsteil 4 zusammengelegt. Diese Konzentration führte dazu, dass der Betrieb nicht mehr nur als reiner Veredler fungierte, sondern tief in den Fertigungsprozess der Möbelindustrie eingebunden war. Die Metallveredlung Döbeln war nun Teil einer Produktionskette, die von der Herstellung der Rohlinge bis zur finalen Montage reichte – eine Struktur, die erst mit der wirtschaftlichen Neuordnung nach 1990 wieder aufgelöst wurde.

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Reprivatisierung und technologischer Aufbruch

Nach der deutschen Wiedervereinigung erfolgte am 1. Juli 1990 die Reprivatisierung des Unternehmens. Roland und Bettina Hawlitschek übernahmen den Betrieb und führten ihn als Metallveredlung Döbeln GmbH in die Marktwirtschaft zurück.

In den folgenden Jahren entwickelte sich das Unternehmen kontinuierlich weiter. Die Herstellung von Möbelbeschlägen wurde eingestellt, stattdessen konzentrierte sich der Betrieb vollständig auf die Metallveredlung, darunter Doppel-Nickel-, Kupfer-, Nickel-, Chrom- und Zinkbeschichtungen sowie ab 1997 auch Gold. Möglich wurde diese Spezialisierung durch umfangreiche Investitionen in Galvanikautomaten und moderne Abwasserbehandlung. Zudem wurde ein Fuhrpark mit drei Lkws aufgebaut. Das Vertrauen in die neue GmbH wuchs schnell, auch über die regionalen Grenzen Sachsens hinaus. Dank der hohen technologischen Standards gelang es dem Unternehmen, Großaufträge aus dem Verteidigungssektor zu sichern: So übernahm man 1993 die Galvanik des Panzerreparaturwerks Neubrandenburg. Dieser überregionale Auftrag war ein wichtiger Impuls für die Beschäftigungszahlen, die zu diesem Zeitpunkt bei 32 Mitarbeitern lagen. 1997 war die Zahl der Mitarbeiter auf 40 gestiegen und man hatte insgesamt 5,5 Millionen DM in das Unternehmen investiert.

Im August 1998 gründete Olaf Hawlitschek, Sohn der Unternehmerfamilie, die Firma Oberflächentechnik Döbeln.

Werk I (li.) und Werk II (re.) der Metallveredlung Döbeln GmbH im Gewerbegebiet Döbeln-Ost

Expansion im neuen Jahrtausend: Der Sprung zum Großstandort

Im Jahr 2000 nahm die Metallveredlung Döbeln GmbH die Produktion in einem zweiten Werk auf. Kurz darauf begann eine Phase intensiver Erweiterungen: 2004 und 2007 entstanden neue Produktions- und Lagerhallen, 2008 folgte der Bau einer Logistikhalle. Einen bedeutenden Meilenstein stellte das Jahr 2009 dar, als das Unternehmen auf ein neues Industrieareal mit rund 30.000 Quadratmetern in Döbeln umzog.

Seit 2003 wurde auf den inzwischen über 40.000 Quadratmeter angewachsenen Industriegrundstücken konsequent in modernste Fabrikationstechnik investiert. Diese Kapazitätserweiterungen bildeten das Fundament dafür, dass sich das Unternehmen als einer der führenden Dienstleister in der Galvanotechnik behaupten konnte. Die technische Leistungsfähigkeit ermöglichte fortan die Bearbeitung enormer Stückzahlen bei hoher Präzision – von Millionen verchromter Kopfstützen bis hin zu Milliarden von Kleinstteilen für die Industrie.

Integration in die KAP Surface Technology: Regionale Stärke, globale Präsenz

Ein weiterer wichtiger Schritt in der Unternehmensentwicklung erfolgte 2017 mit der Integration der Werke der Metallveredlung Döbeln und der Oberflächentechnik Döbeln in die KAP Surface HOLDING. Durch die vollständige Eingliederung in die Oberflächensparte KAP Surface Technology wurde das weitere organische Wachstum innerhalb einer starken Unternehmensgruppe gesichert. Gemeinsam mit der Gt Oberflächen GmbH und HEICHE Leisnig bildete die Metallveredlung Döbeln zudem eine starke regionale Union innerhalb Sachsens und Ostdeutschlands. International war die Gruppe über die Gesellschaften der HEICHEGROUP auch in den USA, Ungarn und Polen vertreten.

Im Jahr 2018 wurden die beiden Tochtergesellschaften der KAP Surface Technology zu einer leistungsfähigen Oberflächengesellschaft unter dem Namen Metallveredlung Döbeln GmbH verschmolzen. Mit der Inbetriebnahme einer neuen Zink-Nickel-Trommelstraße für Kleinstteile im Jahr 2021 setzte das Unternehmen seine technologische Weiterentwicklung konsequent fort.

Heute beschäftigt die Metallveredlung Döbeln GmbH rund 119 Mitarbeiter (Stand Frühjahr 2026) und steht für hochwertige Oberflächenveredelung, innovative Technik und nachhaltigen Korrosionsschutz.

Der Weg der Metallveredlung Döbeln – von der kleinen Manufaktur für Marmor-Garnituren bis zum hochmodernen Teil eines globalen Netzwerks – verdeutlicht die enorme Wandlungsfähigkeit des Standorts. Die heutige Integration in die KAP Surface Technology sichert dabei nicht nur Arbeitsplätze, sondern führt die 1938 begonnene Tradition der Oberflächenveredelung unter den Vorzeichen der globalen Industrie fort.

Quellen:
Metallveredlung Döbeln GmbH (Hrsg.): Homepage, Über uns. URL: https://mv-doebeln.de/ueber-uns.html (23.02.2026)


Bildnachweis:
Alle Abbildungen/Fotos ohne Vermerk stammen aus der „Sammlung Döbeln“ von Michael Höhme.