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MG 42 - todbringende Waffe, technisches Meisterwerk

Sowjetische Soldaten gaben dem MG 42 im Zweiten Weltkrieg den Namen „Hitler-Säge“, weil die Waffe im Vergleich zu allen anderen Maschinengewehren einen unverwechselbaren „Klang“ hatte. Durch die hohe Folge von etwa 24 Schuss pro Sekunde (1400 pro Minute) konnte das menschliche Ohr die Schüsse nicht mehr einzeln wahrnehmen. Der Feuerstoß klang wie ein Sägegeräusch, die deutschen Soldaten nannten es „Knochen-Säge“.

Interessant ist die Entstehungsgeschichte des Maschinengewehrs. Eigentlich hatte man den Vorgänger, das MG 34, benannt nach seinem Entwicklungsjahr, erst 1936 eingeführt. Im Januar1939 gehörte das Gewehr reichsweit zur Standardbewaffnung des Heeres. Als der Zweite Weltkrieg begann, mehrten sich schon in den ersten beiden Kriegsjahren die Beschwerden.

Das Gewehr, das nun massenhaft gebraucht wurde, war mit 320 Reichsmark zu teuer in der Fertigung, mit 150 Arbeitsstunden war die Produktion zu langwierig. Außerdem zeigte sich bald, dass die Waffe anfällig gegen Frost, mangelnde Schmierung und Schmutz war. Das Oberkommando des Heeres war alarmiert und beauftragte verschiedene Firmen, billigere Produktionsmethoden zu entwickeln und ein Gewehr mit einer höheren Schussfrequenz als das MG 34 (900 Schuss/min) zu entwickeln.

Das Heereswaffenamt erinnerte sich an eine Idee eines sächsischen Ingenieurs. Dr. Werner Gruner war Blechfertigungsspezialist bei der Metall- und Lackwarenfabrik Grossfuss in Döbeln. Der Konstrukteur und die Firma waren in der deutschen Waffenbranche bisher völlig unbekannt. Gruner hatte 1937 einen Rückstoßlader mit völlig neuartigem, auf Rollen gleitendem Verschluss konstruiert und eine schnelle Rohrwechselmöglichkeit ersonnen. Das Gehäuse des Maschinegewehrs war nur aus zwei gestanzten Blechhälften zusammengesetzt. Die avisierte, enorm hohe Akkordfolge von 1400 Schuss/min erreichte man mit einem geradlinigen Rücklauf des neuartigen, auf Rollenverriegelung beruhenden Verschlusssystems, dessen geringer Reibung sowie der speziellen Verschlussfeder.

Die neue Waffe verzichtete auf die knapper werdenden legierten Stähle und war durch größere Toleranzen weniger anfällig gegen Schmutz und Temperatureinflüsse. Sie konnte auch ungeölt geschossen werden.

Brauchte man für die Herstellung eines MG 34 50 Kilogramm Stahl, benötigte man beim MG 42 nur 28 Kilogramm. Die Herstellungszeit halbierte sich auf 75 Stunden, der Preis sank auf 250 Reichsmark. Im April 1938 präsentierte Dr. Gruner der Waffenprüfstelle 2 des Heereswaffenamt in Berlin sein aus Blechstanzteilen zusammengesetztes Maschinengewehr und überzeugte die Technikspezialisten und die Militärs gleichermaßen. Es passierte etwas Spektakuläres. Ein kleiner Blechwarenproduzent, der bisher im Waffenbau keine Erfahrung hatte, erhielt mitten im Krieg den Auftrag für die Ausstattung der Wehrmacht mit einem neuen Maschinengewehr.

Als MG 39/41 wurden 1500 Gewehre schon 1941 unter Gefechtsbedingungen getestet. Mit nur geringen Modifikationen führte man die neue Waffe ab 1942 als MG 42 im Heer ein. Die Schussweite auf einem Zweibein betrug 800 Meter, die Waffe wog 11,6 Kilogramm. Auf einer Lafette als schweres MG genutzt, konnte die Schussweite auf über 3000 Meter gesteigert werden.

Schon im Juni 1942 wurden die ersten MG 42 in Tunesien gegen die Stellung der britischen 8. Army bei Gazala-Bir eingesetzt. Bis Kriegsende fertigte man 400 000 Waffen, die als Universalgewehr der Infanterie, als Zwillingslafette zur Fliegerabwehr oder als Einbauwaffe in gepanzerten Fahrzeugen genutzt wurden.

Militärhistoriker sehen im MG 42 das beste Maschinengewehr des Zweiten Weltkrieges. Die USA fertigten nach Beutewaffen eigene Muster. Das Mehrzweck-Maschinengewehr M 60 wurde in den Vereinigten Staaten während der 1950er Jahre entwickelt und wird von vielen Streitkräften verwendet. Seine Verwandtschaft mit dem MG 42 sieht man ihm deutlich an. Die Bundeswehr verwendete, wie auch die Armeen Dänemarks, Norwegens und Italiens, das auf NATO-Munition umgestellte MG 42 als MG 3.

© Michael Höhme, "Traditions- und Förderverein Lessing-Gymnasium Döbeln" e.V.

Quellen:
Robert Riegel: Waffen & Technik - Maschinengewehr 42