Brückenschlag |
||
durch drei Jahrhunderte
|
||
Der Bericht handelt nicht von einer übermenschlichen Rekordleistung, vielmehr soll das lange und „bewegte“ Leben eines Döbelner Muldensteges eine wohlverdiente Würdigung erfahren. |
Brücke Straße des Friedens |
|
Erstaunlich die Wandelung, welche sich am Wiesensteg bis ins Jahr 1875 vollzog. Als Königsstraße ausgewiesen, säumten prächtige, markante und beeindruckende Gebäude den Straßenzug. So auch das altehrwürdige Gymnasium in der heutigen Straße des Friedens. Da auch der rollende Verkehr zunahm, entstand an der Stelle des Steges eine eiserne Straßenbrücke. Dies geschah 1883. Ein Jahr später im August 1884 wurde der Eisensteg in drei Teile zerlegt. Auf Rollen ging die Reise der drei Teile zum nördlichen Muldenarm unweit der Staupitzmühle. Hier wurden die Teile wieder zu der Gesamtlänge von 25 Metern zusammengefügt und so entstand eine Muldenüberquerung zwischen Salzgraben (heute westliche Ritterstraße) und Staupitzstraße. |
||
Hier spielte unser Steg seine tragende Rolle bis zum Jahrhunderthochwasser im Jahre 1897. Ende Juli jenen Jahres hoben die Wasserfluten den Steg von den Auflagern und ließen ihn am Muldenufer stranden. Kurze Zeit später überspannt er den Fluss erneut, nun auf erhöhten Tragwerken, um gegen neues Unheil gerüstet zu sein! |
||
Im Jahre 1901 begann der Geschäftsbetrieb im Königlichen Amtsgericht am Rande der Klostergärten. Als Verbindungsweg zwischen der inneren Bahnhofstraße und diesem Stadtgebiet entwickelte sich nach und nach die Bismarckstraße (heute Rosa–Luxemburg-Str.). Um den „armen Sündern“ den Weg zum Amtsgericht zu erleichtern, kam unser „mobiler Helfer“ nun wieder zum Einsatz. |
Brücke Rosa-Luxemburg-Straße |
|
Seine „Arbeitszeit“ dauerte bis zum Jahre 1926. Im April wurde eine steinerne Brücke für Fahrzeuge und Fußgänger dem Verkehr übergeben. Gleichzeitig geschah der Rückbau der Holzbrücke von der Moltke- zur Staupitzstraße. An der freigewordenen Stelle konnte von da an unser „eiserner Freund“ wieder dem Döbelner Fußvolk über die Mulde helfen! |
||
Nun wissen wir ja, dass ihn Beharrlichkeit und Treue auszeichnen. Nach einer Rekonstruktion durch eine Stahlbaufirma war er Ende 1983 „wieder auf dem Damm“! Dieses bis heute zur Freude vieler Döbelner, die nach Döbeln-Nord, zum Berufsschulzentrum oder zur Disco in das Staupitzbad ihren Weg über ihn nehmen. |
Muldensteg zum Staupitzbad und zum Berufsschulzentrum |
|
In diesem Jahr wird der Steg wohl am Ende seines langen Wanderweges angelangt sein. Bis zum „Tag der Sachsen“ im September 2002 soll ein neuer stählerner Übergang beide Muldeufer verbinden. Eine erneute Einlagerung bis zu einer wiederholten „Reaktivierung“ wird es für unseren alten Freund wohl nicht noch einmal geben. |
||
Gerhard Heruth |
||
(C) 2009 - Alle Rechte vorbehalten |
||