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Brückenschlag

durch drei Jahrhunderte

Brücke Straße des Friedens 

Der Bericht handelt nicht von einer übermenschlichen Rekordleistung, vielmehr soll das lange und „bewegte“ Leben eines Döbelner Muldensteges eine wohlverdiente Würdigung erfahren.

Besagter eiserner Steg überbrückte zuerst den südlichen Muldenarm der Stadt im Verlauf eines Wiesenweges zur Haltestelle Döbeln. Diese Haltestelle an der Bahnstrecke Döbeln-Meißen wird seit 1905, als Eisenbahn und Straße noch auf gleichem Niveau waren, als „Bahnhof Döbeln - Ost“ bezeichnet Der Döbelner Altchronist Hingst schrieb zum Thema Steg: „Am 7. Juli 1868 wurde der nach der Haltestelle Döbeln führende neuerbaute Muldensteig für Fußgänger, kleine Handwagen, Karren und Schiebeböcke dem Verkehr überlassen“.

Erstaunlich die Wandelung, welche sich am Wiesensteg bis ins Jahr 1875 vollzog. Als Königsstraße ausgewiesen, säumten prächtige, markante und beeindruckende Gebäude den Straßenzug. So auch das altehrwürdige Gymnasium in der heutigen Straße des Friedens. Da auch der rollende Verkehr zunahm, entstand an der Stelle des Steges eine eiserne Straßenbrücke. Dies geschah 1883. Ein Jahr später im August 1884 wurde der Eisensteg in drei Teile zerlegt. Auf Rollen ging die Reise der drei Teile zum nördlichen Muldenarm unweit der Staupitzmühle. Hier wurden die Teile wieder zu der Gesamtlänge von 25 Metern zusammengefügt und so entstand eine Muldenüberquerung zwischen Salzgraben (heute westliche Ritterstraße) und Staupitzstraße.

Hier spielte unser Steg seine tragende Rolle bis zum Jahrhunderthochwasser im Jahre 1897. Ende Juli jenen Jahres hoben die Wasserfluten den Steg von den Auflagern und ließen ihn am Muldenufer stranden. Kurze Zeit später überspannt er den Fluss erneut, nun auf erhöhten Tragwerken, um gegen neues Unheil gerüstet zu sein!

Auch hier forderte der zunehmende Fahrverkehr eine Straßenbrücke. 1904 baute man eine stabile Holzbrücke von der Moltkestraße (vorher Salzgrabenweg, heute Rudolf-Breitscheid-Straße) zur Staupitzstraße. Der eiserne Fußsteig geht, auf dem Clausnitzerschen Fabrikgelände an der Schießwiese (Steigerhausplatz) abgelagert, in den einstweiligen Ruhestand.

Brücke Rosa-Luxemburg-Straße 

Im Jahre 1901 begann der Geschäftsbetrieb im Königlichen Amtsgericht am Rande der Klostergärten. Als Verbindungsweg zwischen der inneren Bahnhofstraße und diesem Stadtgebiet entwickelte sich nach und nach die Bismarckstraße (heute Rosa–Luxemburg-Str.). Um den „armen Sündern“ den Weg zum Amtsgericht zu erleichtern, kam unser „mobiler Helfer“ nun wieder zum Einsatz.

Seine „Arbeitszeit“ dauerte bis zum Jahre 1926. Im April wurde eine steinerne Brücke für Fahrzeuge und Fußgänger dem Verkehr übergeben. Gleichzeitig geschah der Rückbau der Holzbrücke von der Moltke- zur Staupitzstraße. An der freigewordenen Stelle konnte von da an unser „eiserner Freund“ wieder dem Döbelner Fußvolk über die Mulde helfen!

Die neue „Dienstzeit“ des Steges währte zunächst fast fünfzig Jahre am Stück. Im Jahre 1974, nunmehr schon über 100 Jahre alt, reichten frische Farbe und ein neuer Holzbelag nicht mehr für ein weiteres Überleben aus. Da in dieser Zeit in Döbeln viele bauliche Maßnahmen anstanden, waren für den Steg leider keine Mittel und Zeit übrig - er wurde gesperrt.

Muldensteg zum Staupitzbad und zum Berufsschulzentrum

Nun wissen wir ja, dass ihn Beharrlichkeit und Treue auszeichnen. Nach einer Rekonstruktion durch eine Stahlbaufirma war er Ende 1983 „wieder auf dem Damm“! Dieses bis heute zur Freude vieler Döbelner, die nach Döbeln-Nord, zum Berufsschulzentrum oder zur Disco in das Staupitzbad ihren Weg über ihn nehmen.

In diesem Jahr wird der Steg wohl am Ende seines langen Wanderweges angelangt sein. Bis zum „Tag der Sachsen“ im September 2002 soll ein neuer stählerner Übergang beide Muldeufer verbinden. Eine erneute Einlagerung bis zu einer wiederholten „Reaktivierung“ wird es für unseren alten Freund wohl nicht noch einmal geben.

Gönnen wir dem eisernen Wandersmann durch die Jahrhunderte eine Zukunft in einem Stahlwerk. Vielleicht wird sein guter eiserner Kern dann zu einer Schiene geformt, auf der eine weitere Döbelner Hoffnung, die Pferdebahn, eines Tages wieder rollen kann. Wir wünschen es ihm!

Gerhard Heruth
"Traditions- und Förderverein Lessing-Gymnasium Döbeln" e.V.
Mitgliederinformation Nr. 22
Mai 2002

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