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Kaserne

noch der bunte Rock getragen wurde

Im Jahre 2007 kann Döbeln eines Status gedenken, den es 1887 erhielt und im Jahr 1991 wieder verlor:

„Garnisonstadt Döbeln“.

Unsere Stadt diente schon im 18. Jahrhundert verschiedenen sächsischen Truppenteilen als Unterbringungsstandort, aber erst im Jahr 1887 fällte die Regierung in Dresden jene Entscheidung, die Döbeln zur Garnisonstadt für zwei Infanteriebataillone machte. Dies geschah mit der Maßgabe, dass für die Unterbringung in Privatquartieren auf jeden Gemeinen eine jährliche Belastung von 36 Mark zukam. In der Döbelner Chronik lesen wir unter dem Datum 1. April 1887:

Am 01.04.1887 wird das Regiment unter Kommandant Oberst Leusemann vom Bürgermeister Thiele auf dem Obermarkt herzlich begrüßt. Die Kompanien rücken danach in ihre Quartiere, wo sie auf Kosten der Stadt gastlich bewirtet werden“.

Die Übergabe der Regimentsfahne des 11. Kgl. Sächs. Infanterie-Regiments Nr. 139 erfolgte am 22. April 1887 aus Anlass des Geburtstages von König Albert.

Kaserne d. 1. Batl. 11. Kgl. Sächs Inf.-Rgts.
Kaserne d. 1. Batl. 11. Kgl. Sächs Inf.-Rgts. No. 139. [Postkarte von 1915] aus www.doebeln-in-alten-ansichten.de

Schon im Juli des gleichen Jahres begann der Kasernenbau an der Bahnhofstraße auf der damaligen Teichaue. Am 01.10.1888 zogen beide Bataillone in ihre neuen Unterkünfte ein. An der Burgstraße wurde eine Exerzierhalle gebaut, hinter der auf dem Steigerhausplatz, damals noch Schießwiese genannt, der Schweiß beim Drill floss. Das Schießen übten die Rekruten auf den Schießständen der Klosterwiesen unterhalb des Staupitzberges.

Als im Juli 1893 von den Königlichen Hoheiten die Industrieausstellung in Döbeln besuchte wurde, fand auch eine Ehrenparade auf dem Kasernengelände statt. Aus diesem Anlass erfolgte die Namensweihe des bisherigen Steinplatzes, der zwischen Bahnhof- und Burgstraße zu finden ist. Er erhielt den Namen Wettinplatz.

Nach dem Kasernenbau kamen weitere militärtechnische Bauten und Einrichtungen, sogar ein Militärbad in der Mulde unterhalb der Roßweiner Anlagen, hinzu. Im Juli 1894 öffnete das Offizierskasino an der Kasernenstraße (heute Theodor-Kunzemann-Straße) im Beisein von Prinz Georg seine Pforten. Im Bereich der Friedrichstraße und im angrenzenden Kasernenumfeld entstanden Häuser mit Wohnungen für Offiziere und verheiratete Unteroffiziere.

Wache des 11. K.S. Infant.-Regts No. 139.
Wache des 11. K.S. Infant.-Regts No. 139. Postkarte von 1909, das Wachgebäude ist heute ein Video-Studio. Aus www.doebeln-in-alten-ansichten.de

Mit der Errichtung der Garnison war eine spürbare Belebung der Döbelner Geschäftswelt verbunden. Im Jahre 1907 gab es in Döbeln 1755 aktive Soldaten, 139 Reservisten und 65 Lazarettangestellte, die in Kleinbauchlitz ihrer Aufgabe nachgingen. Am 18. Februar 1913 erhielt die Kaserne laut „Allerhöchster Verfügung“ den Namen „König Albert Kaserne“.

Als Deutschland am 1. August 1914 in den 1. Weltkrieg eintrat, zogen auch die Döbelner 139iger Feldgrauen mit klingendem Spiel ins Feld. Doch bald war Schluss mit Glanz und Gloria. Im Jahre 1915 verlor das Regiment in Frankreich 50% seines Bestandes. Die Soldaten waren entweder gefallen oder lagen verwundet im Lazarett. In Döbeln gab es das aus vier Gebäuden bestehende Garnisonslazarett unter der Leitung von Stabsarzt d. R. Dr. Christian Beßler, für viele Soldaten in der Fremde jedoch nur ein schlichtes Birkenkreuz. Der Döbelner Anzeiger druckte 1920 eine Ehrentafel mit den Namen von 91 gefallenen Offizieren und Fähnrichen. Für die Namen der 331 Unteroffiziere und 2123 Gefreiten und Soldaten, die auch für „König und Vaterland, für Kaiser und Reich“ ihr Leben gelassen hatten, fehlte der Platz. Doch der bittere Kelch des Blutzolls war noch nicht geleert. Es folgte der 2. Weltkrieg von 1939 bis 1945. Damals trug die Kaserne den Namen Demmering.

In den Jahren der DDR und damit unter Stabsführung der Nationalen Volksarmee wurde sie „Paul-Rockstroh-Kaserne“ genannt. Der letzte Appell fand am 4. Juli 1991 statt. Der Bundeswehr blieb es überlassen, die Lichter der Döbelner Garnison zu löschen. Ein Wirtschaftsfaktor und ein Ort von Beschäftigung in Döbeln wurden entsorgt.

Nach und nach kam es zum Abriss von kleineren Gebäuden auf dem Kasernengelände. Auf den Wiesen der Schießstände wandern heute die Döbelner Bürger und manch Zirkus dekorierte das ehemalige Armeeareal. Die größeren Gebäude blieben uns erhalten und werden jetzt durch das Straßenbauamt Sachsen, die Kunzemannschule, die Heimerer Schulen und ein Videostudio genutzt.

Die Regimentsfahne der 139iger wird weiterhin im Offizierskasino, dem heutigen Restaurant „Strammer Leutnant“, gezeigt. Der rührige Wirt, Thomas Eiffler, Vorsitzender eines militärhistorischen Vereins in Döbeln, widmet sich mit weiteren Interessierten der Traditionspflege am authentischen Ort.

Gerhard Heruth
"Traditions- und Förderverein Lessing-Gymnasium Döbeln" e.V.
Mitgliederinformation Nr. 32
Mai 2007