Spezialfabrik Kessler & Herold
- Die Spezialfabrik Keßler & Herold wurde im Jahr 1898 von Emil Keßler und Fritz Herold in der Mastener Straße gegründet. Bereits kurze Zeit nach der Firmengründung beschäftigte das Unternehmen 91 Angestellte, die Holz- und Metallwaren zu Möbeln sowie zu modernen und funktionalen Ladeneinrichtungen verarbeiteten.
- Innerhalb des Betriebes bestanden spezialisierte Abteilungen. In einer fertigte man metallüberkleidete Holzkehlleisten, während die Kunstschlosserei unter anderem Aushängeschränke herstellte. Darüber hinaus umfasste das Produktionsprogramm Ausstellungsschränke, Ladentafeln und Aufsätze, Reklameschränkchen sowie komplette Schaufenstereinrichtungen.
- Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Herstellung von Luxusmöbeln mit Metallrundstäben. Ergänzt wurde das Sortiment durch Haus- und Küchengeräte, insbesondere durch feine Serviertabletts, die mit Nickelrahmen, Handmalerei und Perlmutteinlagen ausgestattet waren.
- Die Erzeugnisse der Spezialfabrik fanden im gesamten Deutschen Reich Absatz. Darüber hinaus exportierte das Unternehmen seine Produkte in andere europäische Staaten sowie nach Nordamerika und verschaffte sich damit auch international einen angesehenen Ruf. Das Geschäft lief so gut, dass das Fabrikgebäude 1930 eine neue Etage erhielt.
- 1939 war ein gewisser Friedrich Herold Inhaber der Firma. Die Produktion ist während des Krieges rückläufig. 1944 wurde das zweite Geschoss zur Unterbringung "ausländischer Zivilarbeiter" ausgebaut.
- In den 1950er Jahren diente das Gebäude der Deutschen Handelszentrale als Niederlassung Döbeln. 1955 bekam das Haus Aufzüge und einen Kulturraum. Der Name lautete jetzt Großhandelskontor für Lebensmittel. Letzte Bautätigkeiten gab es 1970, als nochmals Büroräume ausgebaut wurden.
(1) Der Fotograf wollte hier sicher die stattliche Dampflok im Bild festhalten. Uns interessiert bei dem Blick vom Bahngelände Richtung Mastener Straße aus dem Jahr 1982 eher die Fabrik dahinter. Das mehrstöckige Produktionsgebäude war noch gut erhalten.
(2) Aufnahme der leerstehenden Fabrik 2009 (KI-gestützt restauriert)
(3) Blickt man 2023 von der Mastener Straße auf das ehemalige Gelände der Firma Kessler & Herold sieht man nur noch Trümmer und einen halb abgebrochenen Schornstein.
- Nach der Wende verkaufte die Bodenverwertungs- und Verwaltungsgesellschaft (BVVG), Nachfolgerin der Treuhand, die Immobilie an eine Privatperson. Jahrelang passierte daraufhin nichts, das Gebäude verfiel immer mehr. 2010 wechselte der Besitzer. Seitdem wird die Ruine in kleinen Schritten Stück für Stück abgerissen. Sterben auf Raten.
© Michael Höhme, "Traditions- und Förderverein Lessing-Gymnasium Döbeln" e.V.
Quellen:
Pressausschuss für das Heimatfest (Hg.): Aus der Heimat. Festschrift zum Heimatfest. Döbeln 20.-22. Juni 1914, S. 90
Stockmann, Gottfried: Die Stadt Döbeln als Standort der Industrie. Borna Leipzig 1928, S. 98f.
Bildnachweis:
Werbeanzeige 1910 - Schwender, Carl Clemens: Döbeln in Sachsen in Wort und Bild. Döbeln 1910
Werbeanzeige 1925 – Rat der Bezirksstadt Döbeln (Hg.): Döbeln. Berlin 1925
Alle Abbildungen/Fotos ohne Vermerk stammen aus der „Sammlung Döbeln“ von Michael Höhme.
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