Werkstätten für Elektrowärmetechnik
Im Jahr 1922 gründete der Ingenieur Emil Schuppang in Groß Särchen bei Hoyerswerda ein Unternehmen zur Herstellung von Elektrogeräten, die sowohl für die Beheizung von Haushaltsgeräten als auch für industrielle Zwecke bestimmt waren. Kurz darauf verlegte er den Betrieb nach Döbeln in die Roßweiner Straße 37. Wenig später verkaufte er das Unternehmen an Richard Hartmann, blieb jedoch weiterhin als Betriebsleiter tätig.
Als die Firma im Jahr 1932 in Konkurs ging, übernahm Erich Gasch für 12.000 Reichsmark den Betrieb und gründete die Werkstätten für Elektrowärmetechnik. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte das Unternehmen sieben Mitarbeiter.
Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte der Betrieb unter anderem Kochplatten, Tauchsieder, Heizöfen und Elektrokochtöpfe her und führte zusätzlich verschiedene Reparaturaufträge aus. In dieser Zeit wuchs die Belegschaft auf rund 70 Beschäftigte an. Durch den Volksentscheid vom 30. Juni 1946 wurde die Firma enteignet.
VEB Elektrowärme Döbeln
Im Jahr 1948 zog der Betrieb von der Roßweiner Straße in die Greinerstraße 9/10, die heutige Eichbergstraße, um, firmierte fortan als VEB Elektrowärme Döbeln und wurde der Vereinigung Volkseigener Betriebe Feinmechanik, Optik und Elektrotechnik Dresden unterstellt. Bereits 1951 erfolgte eine erneute Umstrukturierung. Der Betrieb gehörte fortan zum VVB Installation, Kabel und Apparate (IKA). In diesem Zusammenhang stellte man die Produktion von Kochplatten, Wasserkochern und Bügeleisen ein. Stattdessen konzentrierte sich der Betrieb zunehmend auf die Herstellung industrieller Beheizungen, etwa für Pressformen und die Galvanotechnik, sowie auf die Fertigung von Schuko-Gerätesteckern.
1955 beschäftigte das Unternehmen bereits 200 Mitarbeiter. Aufgrund des steigenden Bedarfs an Elektrogeräten und -zubehör wurde der Betrieb erweitert und mit anderen Betrieben zusammengeführt. 1962 gliederte man die Metallwarenfabrik Moritz Koeppen an, 1967 folgten die Signal-Instrumenten- und Metallwarenfabrik Paul A. Gasch in der Eichbergstraße 7 sowie das Sägewerk Gleisberg. Als die Chemische Fabrik Oswald Greiner im Jahr 1968 in Konkurs ging, übernahm der VEB Elektrowärme teilweise die Gebäude dieser benachbarten Firma.
In den Jahren 1977 und 1979 setzte sich der Expansionskurs fort. So wurden der VEB Elektrowärme Leipzig, der VEB Elektrowärme und Apparatebau Großstöbnitz sowie der VEB Webereizubehör Waldheim. Auch der VEB Gerätebau Döbeln, ehemals Max Knobloch, wurde als Fertigungsbereich III in das Unternehmen eingegliedert. Die ehemaligen Eigentümer dieser Firma, Erika Kolbe und Reinhard Kolbe, werden als Hauptbuchhalterin und als Direktor für Absatz sowie Außenwirtschaft übernommen. In dieser Phase wuchs die Belegschaft des VEB Elektrowärme auf insgesamt 640 Mitarbeiter an.
Einblicke in die Produktion, 1980er Jahre
Bestseller des VEB Elektrowärme: Heizkörper für die Deutsche Reichsbahn mit 1000 W Leistung und der Heizlüfter Typ 3531.30 mit 2000 W Leistung (1967).
1980 kam es im Zuge einer erneuten Umstrukturierung der Elektrogeräteindustrie der DDR zur Angliederung des Döbelner Betriebes an das Stammwerk VEB Elektrogeräte Leipzig. Damit unterstand er nun dem Kombinat Wohn- und Freizeitbedarf Leipzig. In Döbeln wurden in den Produktionsstätten in der Eichbergstraße 1 und 9 Rundrohrheizkörper aus Edelstahl gefertigt, die unter anderem in Waschmaschinen Verwendung fanden. In der Waldheimer Straße 54 stellte man beispielsweise Bahnheizkörper und Großraumstaubsauger her. Im Werk Gleisberg produzierte man unter anderem sogenannte Ferkelmatten, also beheizbare Gummimatten für die Ferkelaufzucht in landwirtschaftlichen Betrieben.
Seit 1987 arbeiteten 30 vietnamesische Produktionsarbeiter im Betrieb. Ihre Unterbringung erfolgte in Döbeln-Nord in der Straße „Am Holländer“ 3.
Döbeln Elektrowärme GmbH (DEW)
Nach der Wiedervereinigung beschäftigte die Elektrowerke GmbH am 13. Januar 1991 noch 395 Mitarbeiter, von denen sich etwa 100 in Kurzarbeit befanden. Ein Jahr zuvor hatte die Belegschaft noch 590 Angestellte umfasst. In der Folgezeit entwickelte sich das Unternehmen zu einem Komplettanbieter für die Entwicklung und Fertigung elektrischer Heizelemente, darunter Rundrohrheizkörper, Heizpatronen und Flächenheizelemente.
Döbeln Elektrowärme GmbH, 2023
Im Jahr 2011 investierte die Elektrowerke GmbH rund 1,6 Millionen Euro in ein neues Produktions- und Verwaltungsgebäude. Mit zuletzt 91 Mitarbeitern erzielte die Firma einen Jahresumsatz von etwa neun Millionen Euro bei einer Exportquote von 35 Prozent. Europa bildete dabei den wichtigsten Absatzmarkt, insbesondere Länder wie die Niederlande, Frankreich, die Slowakei und Ungarn.
© Michael Höhme, "Traditions- und Förderverein Lessing-Gymnasium Döbeln" e.V.
Quellen:
Enzmann Karlheinz: Industriegeschichte im Landkreis Döbeln - Elektrowärme Döbeln In: STIEFEL Das Stadt-MAGAZIN für Döbeln. Heft 9, Sept. 2000, S. 8-9
Bildnachweis:
Foto Frauenbrigade – Stadtarchiv Döbeln
Alle Abbildungen/Fotos ohne Vermerk stammen aus der „Sammlung Döbeln“ von Michael Höhme.
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